HIV und AIDS

HIV geht uns alle an, egal ob „+“ oder „–“. Besser, du weißt Bescheid. Und zwar richtig.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich in Sachen HIV und Aids viel geändert. Vor allem der medizinische Fortschritt war enorm: Die HIV-Medikamente sind wirksamer geworden, die Nebenwirkungen geringer.

HIV ist das Kurzwort für „Humanes Immunschwäche-Virus“. HIV schädigt das Immunsystemund kann im schlimmsten Fall zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie z. B. Lungenentzündung oder Krebs führen. Dann spricht man von Aids. Mit antiretroviralen Medikamenten kann man Aids jedoch verhindern.

 

Symptome

Frische HIV-Infektion

Bereits wenige Tage nach einer Ansteckung mit HIV vermehren sich die Viren rasant. Das Risiko einer HIV-Übertragung beim ungeschützten Sex ist dann sehr hoch. Meistens, aber nicht immer reagiert der Körper auch mit Krankheitszeichen wie bei einer Grippe oder Erkältung oder einem Hautausschlag an Rücken, Brustkorb oder Bauch.

Wenn du dich einige Tage bis wenige Wochen nach einem HIV-Risikokontakt (zum Beispiel Analverkehr ohne Kondom) plötzlich ziemlich vergrippt fühlst, Hautausschlag am Rücken, Bauch oder Brustkorb bekommst oder wenn die Lymphknoten anschwellen, könnten das Zeichen für eine frische HIV-Infektion (auch Primoinfektion) sein. Solche Symptome treten allerdings nicht immer auf oder werden nicht immer bemerkt, und in der Regel kommen sie nicht alle zusammen vor.

Symptome, die auf eine frische HIV-Infektion hindeuten können:
  • Fieber über mehrere Tage
  • Schlappheit
  • Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Hautausschlag an Rücken, Brustkorb oder Bauch
  • starker Nachtschweiß
  • schmerzende Mandeln, geschwollene Lymphknoten
  • wunde Stellen im Mund

Solche Symptome machen spürbar, wie sich HIV im Körper breit macht. Bereits wenige Tage nach einer Ansteckung vermehrt sich HIV nämlich rasant. In den Schleimhäuten und Körperflüssigkeiten, die beim Sex zwischen Männern beteiligt sind (Schleimhäute am Penis und im Enddarm, Blut, Sperma), ist die Virusmenge dann sehr hoch. Dadurch ist dann auch das Risiko einer HIV-Übertragung beim ungeschützten Sex besonders groß. Schon bald nach der Ansteckung erkennt das Immunsystem die HI-Viren aber als Eindringlinge und setzt ihnen körpereigene Abwehrzellen und Antikörper entgegen.

Antikörper-Bildung in den ersten Wochen

Die Virusmenge in den Körperflüssigkeiten und Schleimhäuten nimmt dann wieder ab (ohne Medikamente besteht dann aber immer noch ein hohes Übertragungsrisiko). Bis genügend Antikörper für einen Nachweis mit dem HIV-Antikörpertest gebildet sind, dauert es bei den meisten Menschen drei bis sechs, manchmal aber auch bis zu zwölf Wochen nach der Ansteckung. Bei Verdacht auf eine akute Infektion kann der Arzt aber auch andere Tests durchführen, die das Virus oder Virusbestandteile direkt nachweisen und deshalb früher eingesetzt werden können.

Da HIV-Symptome aber nicht immer auftreten oder nicht immer bemerkt werden, wissen viele Menschen mit HIV gar nicht, dass sie infiziert sind. Nach einer Ansteckung kann es einem nämlich monatelang oder jahrelang gut gehen, obwohl die Viren unbemerkt den Körper und das Immunsystem schädigen.

Ob man infiziert ist, kann man nur mit einem HIV-Test herausfinden. Wird eine Infektion festgestellt, hat man bei rechtzeitigem Start einer HIV-Therapie und bei konsequenter Fortführung gute Chancen auf eine fast normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität.

Wir empfehlen daher jedem, der sexuell aktiv ist, sich mindestens einmal jährlich auf HIV und auch auf andere sexuell übertragbare Infektionen testen zu lassen.

Übertragungswege

HIV ist relativ schwer übertragbar. Ein Infektionsrisiko besteht nur, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten mit Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen.

Am häufigsten wird HIV beim ungeschützten Geschlechtsverkehr weitergegeben. Da Vaginal- und Darmschleimhaut viele HIV-Viren enthalten können, gibt es beim Vaginal- und Analverkehrauch ein Risiko für den „aktiven“ (eindringenden) Partner. Ein Übertragungsrisiko besteht auch dann, wenn nicht im Partner abgespritzt wird, nämlich über den intensiven Kontakt zwischen den Schleimhäuten von Penis und Enddarm oder Penis und Scheide.

Körperflüssigkeiten, die HIV in ansteckungsrelevanter Menge enthalten können
  • Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut
  • Blut
  • Sperma
  • Scheidenflüssigkeit
  • Muttermilch

Beim Blasen besteht ein Risiko, wenn Sperma in den Mund gelangt. Dieses Risiko ist aber sehr viel geringer als beim Analverkehr, weil die Mundschleimhaut widerstandsfähiger gegen HIV ist als andere Schleimhäute. Beim Lusttropfen ist eine HIV-Übertragung nahezu ausgeschlossen.

Andere sexuell übertragbare Infektionen erhöhen das HIV-Risiko: Durch entzündete Schleimhäute kann HIV leichter in den Körper eindringen oder hinausgelangen, und bei Entzündungen wandern zusätzliche Immunzellen ein, die HIV direkt aufnehmen und weitergeben können. Bei HIV-Infizierten enthalten entzündete Schleimhäute besonders viele HI-Viren.

Sehr riskant ist außerdem die gemeinsame Benutzung von Spritzen beim Konsum von Drogen und anderen Substanzen.

Entscheidend ist die Virusmenge

Das Risiko einer HIV-Übertragung ist erhöht, wenn sich besonders viele Viren im Blut und den Körperflüssigkeiten befinden. Das ist zum Beispiel in den ersten Wochen nach einer HIV-Infektion der Fall, weil sich das Virus dann besonders stark vermehrt.

Das Risiko ist viel geringer, wenn sich nur wenige Viren im Blut befinden, etwa wenn HIV-Medikamente die Vermehrung des Virus verhindern. Liegt die Viruslast des HIV-positiven Partners seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze und werden die antiretroviralen Medikamente konsequent eingenommen, ist eine HIV-Übertragung beim ungeschützten Sex nahezu ausgeschlossen. Eine gut wirksame HIV-Therapie schützt damit genauso effektiv vor HIV wie Kondome, aber natürlich nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Beim Sex mit Gelegenheitspartnern empfiehlt sich weiterhin die Verwendung von Kondomen.

Aber auch, wenn die Viruslast nicht unter der Nachweisgrenze liegt, führt nicht jeder ungeschützte Anal- oder Vaginalverkehr zwischen einem HIV-infizierten und einem nicht infizierten Partner automatisch zu einer Übertragung. Das Risiko einer Infektion wächst, je häufiger man ungeschützten Sex hat.

Man kann diesen Effekt mit dem Autofahren vergleichen: Je häufiger man fährt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, in einen Unfall verwickelt zu werden. Ein besonders hohes Risiko, sich zu infizieren, haben außerdem Männer, die Sex mit Männern haben, denn in dieser Bevölkerungsgruppe ist HIV in Deutschland weiter verbreitet. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man Sex mit einem HIV-positiven Partner hat.

HIV wurde zwar gelegentlich auch in Urin, Kot, Speichel, Schweiß und Tränenflüssigkeit nachgewiesen, aber nur in sehr geringer Menge, die für eine Ansteckung nicht ausreicht.

Keine Infektionsgsgefahr besteht bei:
  • Küssen, Händedruck, Umarmen
  • Anhusten oder Anniesen
  • Benutzung derselben Teller, Gläser und Bestecke
  • gemeinsame Benutzung von Toiletten, Handtüchern oder Bettwäsche
  • Besuch von Schwimmbädern oder Saunen
  • Zusammenarbeiten und -wohnen mit Menschen mit HIV/Aids
  • Betreuen und Pflegen von Menschen mit HIV/Aids
  • Erste-Hilfe-Leistung, sofern die hygienischen Vorschriften eingehalten werden (Handschuhe, Beatmungsmaske)
  • medizinischen und kosmetischen Behandlungen (Zahnarzt, Fußpflege etc.), sofern die hygienischen Vorschriften eingehalten werden
  • Tätowieren und Piercen, sofern unter hygienischen Bedingungen gearbeitet wird
  • Insektenstichen

Wie kann ich mich schützen?

Mit Kondomen beim Analverkehr und Handschuhen beim Fisten verringerst du die Ansteckungsgefahr. Wichtig: Für jeden neuen Partner ein neues Kondom oder einen neuen Handschuh verwenden. Beim Blasen bleibt ein höheres Risiko, daher: Schau dir den Schwanz möglichst vorher an. Kontakt mit nässenden Stellen oder Blut vermeiden. Sexspielzeug nicht mit mehreren Partnern verwenden oder für jeden neuen Partner ein neues Kondom drüberziehen bzw. das Sexspielzeug sehr gründlich reinigen.

Nicht mit anderen in denselben Gleitmitteltopf greifen.

Bei analen Fingerspielen nicht von einem Partner zum anderen gehen, ohne die Hände zu waschen.
Wenn du häufig Sex mit wechselnden Partnern hast und/oder HIV-positiv bist, lass dich mindestens einmal jährlich auf Syphilis testen. Das kannst du anonym und meist kostenlos beim Gesundheitsamt oder einem Testprojekt erledigen, aber auch bei einem Arzt deines Vetrauens. (Bei HIV-Positiven kann eine Syphilis schneller und schwerer verlaufen und muss anders behandelt werden.)

Diagnostik und Behandlung

Ein Bluttest erkennt die Syphilis in jedem Stadium. Bei Verdacht auf Befall des zentralen Nervensystems sollte auch die Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit untersucht werden.

Achtung: Bei Menschen mit Immunschwäche (zum Beispiel bei einer HIV-Infektion) fällt ein Syphilis-Suchtest in manchen Fällen trotz klarer Syphilissymptome „falsch negativ“ aus.

Ein Antibiotikum tötet die Erreger, die Krankheit muss aber lange genug behandelt werden. Wichtig ist, so früh wie möglich mit einer Behandlung anzufangen – Schäden an inneren Organen lassen sich nicht mehr rückgängig machen.

Informiere so viele deiner Sexpartner wie möglich, damit auch sie sich untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen können!
Bei HIV-Positiven ist wichtig, dass der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin sich sowohl mit Syphilis als auch mit HIV auskennt.

Quelle: IWWIT

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